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Das Kirchenjahr Teil III: Der Weihnachtsfestkreis

 

 

Vor dem 4. Jahrhundert n.Chr. gab es außer dem Osterfest keine weiteren christlichen Feste. Erst dann, im 4. Jahrhundert, begann man, den 25. Dezember als das Geburtsfest Christi zu feiern. Der 6. Januar als das Erscheinungsfest Christi war in manchen Gebieten schon etwas früher Festbrauch. Beide Feste orientieren sich anders als Ostern und Pfingsten nicht am jüdischen Festkalender oder am Mondjahr, sondern am Sonnenjahr und haben jeweils ein festes Datum.

 

Doch wie kommt das Datum des Geburtsfestes zustande?

 

Es gibt eine religionsgeschichtliche Hypothese, die davon ausgeht, dass das Fest der Geburt Christi mit dem Fest des unbesiegbaren Sonnengottes zusammenhängt. Es liegt in der Nähe der Wintersonnenwende, was auch die Bedeutung von Jesu Geburt, nämlich den Übergang von der Dunkelheit zum Licht, der Wende vom Tod zum Leben, unterstreicht. So wird Jesus z.B. auch im Johannesevangelium als das „Licht der Welt“ beschrieben. Das Sonnenfest des römischen Götterkultes wurde also verchristlicht.

 

Es blieb nicht bei der Feier des Geburtsfestes, sondern die heilsgeschichtliche Bedeutung der Geburt Jesu fand ihren Niederschlag darin, dass – parallel zum Osterfestkreis – das eigentliche Fest eingebettet wurde in einen Festzyklus: eine Vorbereitungszeit (Advent), eine Festwoche (Oktav) und eine Festzeit (Weihnachtszeit). Schlussfest des Weihnachtsfestkreises ist der letzte Sonntag nach dem Epiphaniasfest (dem Fest der Erscheinung des Herrn).

 

Dem Weihnachtsfest geht eine drei- bis vierwöchige Vorbereitungszeit – die Adventszeit – voraus. Historisch liegt dieser Tradition der alte Brauch zugrunde, dass die Zeit zwischen dem 11. November (dem Tag des Heiligen St. Martin) und dem 6. Januar (dem Erscheinungsfest) als achtwöchige Fastenzeit begangen wurde. Diese war angelehnt an die 40tägige Fastenzeit vor Ostern und hatte die Aufgabe der Vorbereitung auf die Taufe. So war der 6. Januar ein zentraler Tauftermin, so wie auch der Ostersonntag.

 

Inhaltlich geprägt war die Adventszeit zum einen durch das Bedenken der Menschwerdung und zum anderen durch die Erwartung der Endzeit und einer damit verbundenen Bußpraxis, was bei uns in der Liturgie durch die violetten Behänge von Altar, Kanzel und Lesepult zum Ausdruck kommt. In dieser doppelten Ausrichtung von Gedenken und Erwartung bekommen die Adventssonntage eine tiefe theologische und spirituelle Dimension, die diese Zeit Jahr für Jahr zu einer besonderen macht.

 

An den Adventssonntagen geht es in den Gottesdiensten um die Vorgeschichte der Geburt Jesu, das heißt um die Empfängnis Marias und um Johannes, den Täufer, den Vorläufer und Wegbereiter Jesu. Ebenso ist die Frage nach der endgültigen Wiederkunft Christi und damit die endzeitliche Perspektive in den Adventssonntags-Gottesdiensten zentrales theologisches Thema. Für Interessierte lohnt ein Blick in die Zusammenstellung der vorgesehenen Bibeltexte, die Sie im Gesangbuch im hinteren Teil finden können.

 

Mit dem ersten Advent beginnt ein neues Kirchenjahr.

 

 

Die Bedeutung des Weihnachtsfestes ist mehr als ein Gedenken an den Tag der Geburt des Menschen Jesus. Gott erscheint auf Erden, offenbart sich uns Menschen selbst in Gestalt des verletzlichen, vergänglichen und niedrigen Geschöpfes. Gott kommt, um die Welt zu retten, nicht als machtvoller König, sondern indem er sich auf „Augenhöhe“ begibt und Menschengestalt annimmt.

 

Wir feiern in verschiedenen Gottesdiensten das Kommen Gottes in die Welt, das Kommen Jesu als Mensch unter uns Menschen.

 

So beginnt die Feier des Weihnachtsfestes bereits am Heiligen Abend, unserem zentralen Tag des Weihnachtsfestes, der in der Tradition eigentlich nur das Vorspiel war. Die Christvesper wurde in der Reformationszeit aus Ordnungsgründen als Ersatz für den Mitternachtsgottesdienst eingeführt, weil es nachts zu „Unsittlichkeiten“ kam. Mittlerweile ist die Mitternachtsmesse wieder sehr beliebt und wird auch in unserer Gemeinde, allerdings schon um 23 Uhr, gefeiert. Die Tradition der Krippenspiele geht zurück bis in das 11. und 12. Jahrhundert. Sie haben sich parallel zu den Passions- und Osterspielen entwickelt und hatten lange eine vom Gottesdienst losgelöste Stellung. Heute finden sie gerade bei Kindern großes Interesse. Wer einmal einen Krippenspielgottesdienst bei uns in Adelby um 15 Uhr besucht hat, wird das bestätigen können.

 

Die Ausdehnung des Weihnachtsfestes auf zwei Feiertage geht auch auf die Reformation zurück.

 

 

Von der Zeit nach dem Christfest sprechen wir als der „Weihnachtszeit“. Sie reicht vom 25. Dezember bis zum Sonntag nach Epiphanias (Erscheinungsfest), der als der Tag der Taufe Jesu gefeiert wird. Neben dem Osterfest hat Weihnachten im Kirchenjahr eine eigene Festwoche - „Oktav“ genannt. Sie reicht bis zum 1. Januar. Der 26. Dezember ist dem Erzmärtyrer Stephanus gewidmet, der 27. Dezember ist der Tag des Apostels und Evangelisten Johannes und der 28. Dezember gedenkt der „Unschuldigen Kinder“, die durch den Befehl des Königs Herodes ums Leben gekommen waren. Der 1. Januar wird sowohl als Neujahrstag begangen als auch im Gedenken an die Beschneidung und Namensgebung Jesu gefeiert. Luther hatte sich gegen die Feier des bürgerlichen Neujahrsfestes in der Kirche ausgesprochen, denn für ihn begann das neue Jahr mit Weihnachten und dem Einzug Gottes in die Welt.

 

Nachdem das Weihnachtsfest besonders den Gedanken der Erniedrigung Gottes in seinem Kommen in die Welt und unter die Menschen betont, steht beim Epiphaniasfest (griechisch: epiphania: Erscheinung) am 6. Januar, das volkstümlich auch „Fest der Heiligen drei Könige“ genannt wird, der herrschaftliche Aspekt der Menschwerdung Gottes im Zentrum. Der Gottessohn kommt in seiner ganzen Herrlichkeit und Macht, um die Welt zu erneuern. Das Lichtmotiv steht stark im Vordergrund. Evangeliumstext im Gottesdienst ist Mt 2, 1-12, die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die das Kind anbeten und beschenken. Stark damit verbunden ist die in die Welt ausstrahlende Bedeutung der Geburt des Gottessohns. Der Stern, dem auch die Weisen gefolgt sind, soll auch uns Menschen leiten, das Kind in der Krippe, den Sohn Gottes in seiner ganzen Herrlichkeit zu finden.

 

Die Sonntage nach Epiphanias, die die sogenannte „Epiphaniaszeit“ prägen, hängen inhaltlich an der Theologie des Epiphaniasfestes. So geht es am 1. Sonntag nach Epiphanias um die Taufe Jesu, am 2. Sonntag offenbart sich die Herrlichkeit Jesu in der Umwandlung von Wasser zu Wein in der Geschichte von der Hochzeit zu Kana, und auch in den darauffolgenden maximal vier weiteren Sonntagen geht es um Wunder, die die Herrlichkeit Gottes herausstellen. Der letzte Sonntag nach Epiphanias, mit dem der Weihnachtsfestkreis endet, ist das „Fest der Verklärung Christi“, das die liturgische Farbe weiß trägt. Der Blick wird schon auf die Osterzeit gelenkt, der Weg der Jünger nach Jerusalem wird schon deutlich, im Evangelium für diesen Sonntag werden sie Zeugen der Erscheinungen Christi auf dem Berg der Verklärung.