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Das Kirchenjahr Teil II: Die Trinitatiszeit

 

In der letzten Ausgabe des Kirchenboten ging es an dieser Stelle um den so­genannten Osterfestkreis, der mit Pfingsten endet. In diesem zweiten Teil soll nun die „Trinitatiszeit“ (Trinitatis: Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit Gottes) mit ihren Besonderheiten dargestellt werden.

 

Mit dem Sonntag nach Pfingsten, dem Trinitatisfest, beginnt die „festlose Zeit“ im Kirchenjahr. Die Monate von Advent bis Pfingsten, also das erste Halbjahr des Kirchenjahres, sind gefüllt mit Festen, die an den heilsgeschichtlichen Er­eignisse des Lebens und Wirkens Jesu orientiert sind – die an Geburt, Passion und Auferstehung, Himmelfahrt und die Ausschüttung des Heiligen Geistes erinnern.

 

Der Gottesdienst an Trinitatis gehört zu den Festen im Kirchenjahr, die kei­nem speziellen heilsgeschichtlichen Ereignis zugeordnet sind, sondern es geht um ein bestimmtes Thema, nämlich das Glaubensgeheimnis der Dreiei­nigkeit Gottes. Ein Thema, das die Christenheit seit ihren Anfängen bewegt und das in bestimmten Phasen stark umstritten war. Es geht um die Frage, wie es denkmöglich ist, dass Gott einer ist und gleichzeitig drei: nämlich Va­ter, Sohn und Heiliger Geist. Auf den Konzilien, also den Kirchenversammlun­gen von Nicäa und Konstantinopel im 4. Jahrhundert, einigten die Kirchenver­treter sich nach mühsamen Verhandlungen auf das Dogma der Dreieinigkeit Gottes in Vater, Sohn und Geist, die in ihrem Wesen eins sind und eben nicht jeder allein göttliche Wesen sind. Allein über dieses Thema könnte man meh­rere Seiten füllen, für unser Thema ist entscheidend, dass dieses Glaubens­geheimnis der Dreieinigkeit Gottes seit dem 14. Jahrhundert in der ganzen Kirche gottesdienstlich gefeiert wird, eben am Sonntag nach Pfingsten. Es ist so etwas wie eine Bündelung der theologisch-heilsgeschichtlichen Ereignisse der vorangegangenen großen Feste des Kirchenjahres. Es setzt den Schluss unter Weihnachten (Geburt Jesu als Werk des Vaters), Ostern (der Auferstehung als Werk des Sohnes) und Pfingsten (der Ausschüttung, also des Wirksamwerdens des Geistes).

 

Anders als die Sonntage im Osterfestkreis haben die auf das Trinitatisfest fol­genden Sonntage keine Namen. Sie werden gezählt. 1.,2. … bis max. 27. Sonntag nach Trinitatis. Das hört sich ersteinmal langweilig an, ist es aber nicht, da jeder Sonntag seit 1978 sein eigenes inhaltliches Profil zugeschrieben bekommen hat. Das heißt konkret, dass die für die jeweiligen Sonntage vorgesehenen Evangeliumstexte den Sonntag „regieren“, den „Ton angeben“, und die anderen Lesungen (Altes Testament, Epistel) thematisch darauf abgestimmt sind. Vor allem die Gleichniserzählungen spielen dabei an einigen Sonntagen eine besondere Rolle. So geht es zum Beispiel am 5. Sonntag nach Trinitatis um das Thema „Erwählung und Nachfolge“. Im Evangeliumstext geht es um den großen Fischzug des Petrus (Lukas 5,1-11), der alttestamentliche Text hat die Berufung Abrams zum Inhalt (1. Mose 12, 1-4) und die Epistel (1. Korinther 1, 18-25) beschäftigt sich mit der Frage, wer angesichts des Kreuzes Christi zu den Berufenen gehört. Die Zusammenschau der vorgesehenen Texte hält also viele Fragen, Anregungen und Themen für den jeweiligen Sonntag bereit und es lohnt sich, sich einmal damit zu beschäftigen. Alle Sonntage zu beschreiben, ist an dieser Stelle nicht möglich, aber für alle Interessierten: In jedem Gesangbuch ist ein liturgischer Kalender mit den Textangaben abgedruckt, auch in unseren Gesangbüchern in der Kirche (ab S.1589!).

 

In die Sommermonate fällt das Johannisfest am 24. Juni, das wir in unserer Gemeinde traditionell mit einer Andacht und anschließendem Feuer auf dem Kirchplatz, begleitet vom Bläserchor, feiern. Wir gedenken der Geburt Johannes des Täufers. Dass man diesen Tag als Geburtstag Johannes des Täufers begeht, hat mit dem Sonnenstand zu tun. Nach dem 24. Juni werden die Tage kürzer. Das Johannesfest verdrängte im Mittelalter das heidnische Sonnenwendfest. Gegenstück zum Johannestag bildet im Kalender der Geburtstag Jesu, der 24. Dezember, an dem traditionell die Ankunft des Lichtes gefeiert wurde. Während die Tage mit der Geburt Jesu zunehmen, nehmen sie mit der Geburt des Täufers ab. Dem entspricht ein Satz, mit dem Johannes der Täufer einen Rangstreit zwischen den Jüngern Jesu und seinen eigenen Jüngern entschied. Er sagte — ganz bescheiden: „Er (Jesus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Johannes 3, 30) Zeitlich orientiert sich der Tag auch am Bericht im 1. Kapitel des Lukasevangeliums. Dort heißt es bei der Verkündigung an Maria, dass Elisabeth, die Mutter des Johannes, im sechsten Monat schwanger war.

 

Das Erntedankfest wird entweder am letzten Sonntag im September oder am ersten im Oktober gefeiert. Ihm kommt nach wie vor ein hoher Stellenwert zu. Es geht um den Dank für alles, was wir zum Leben brauchen. Oftmals wird ein Familiengottesdienst gefeiert, Altar und Altarraum werden ge­schmückt, die Erntekrone, die die Würde und Hoheit des Schöpfergottes dar­stellt, wird aufgehängt und erst am ersten Advent durch den Adventskranz ab­gelöst.

 

Lange war der 31. Oktober gesetzlicher Feiertag. Der Reformationstag hat leider an gesamtgesellschaftlicher Relevanz verloren, jedoch ist der Tag für die Protestanten ein wichtiger Gedenktag, der in einigen Gemeinden weiter­hin gottesdienstlich begangen wird. Historisch erinnert der Gedenktag an den Anschlag der 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche durch Martin Luther im Jahr 1517 am Abend vor Allerheiligen. Dieses Ereignis und damit Luthers Kampf gegen den Missbrauch des Ablasshandels wird gemein­hin als Beginn der reformatorischen Bewegung angesehen und hat aus die­sem Grund großes Gewicht. Luthers reformatorische Erkenntnis, dass der Mensch ohne sein Zutun unter die Gnade Gottes fällt, und sein Wirken gegen die sogenannte Werkgerechtigkeit der päpstlichen Kirche wird durch die für den Festgottesdienst vorgesehene Lesung von Römer 3, 21-28 aufgenom­men: Der Mensch wird gerecht vor Gott allein durch seinen Glauben, nicht durch seine Werke.

 

In die Endzeit des Kirchenjahres fällt Martini, der Gedenktag an den Bischof Martin von Tours, der 316/17 geboren wurde und am 8. November 397 starb. Am 11. November wird seiner gedacht (gleichzeitig Tauf- und Namenstag Martin Luthers). Es gibt die Legende, dass Martin am Stadttor von Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat. Die Tradition der Lich­terumzüge kommt eher aus dem weltlichen Brauchtum.

 

Am vorletzten Sonntag im Kirchenjahr gedenken wir im Gottesdienst der Opfer von Krieg und Gewalt. Theologisch steht das Thema „Schuld und Erlösung“ im Mittelpunkt des sogenannten Volkstrauertages, der auch als Friedenssonntag bezeichnet werden kann. Das Gleichnis vom Weltgericht (Matthäus 25, 31-46) ist der vorgesehene Evangeliumstext, der auf seine besondere Weise den Blick auf das Zutun des Menschen zum Wohl der Schöpfung Gottes richtet. In unserer Gemeinde ist es Tradition, dass wir – mit einem Vertreter der kommunalen Gemeinde – einen Kranz am Ehrenmahl ablegen und an diesem Ort um Frieden in der Welt bitten.

 

Zwischen dem Volkstrauertag und dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Ewigkeitssonntag, liegt am Mittwoch der Buß- und Bettag. Das Thema der Buße ist ein altes. Schon in der Antike und im Mittelalter waren Bußtage üb­lich. In Kriegs- und Notzeiten wurden sie von der Obrigkeit verordnet, um den Zorn Gottes abzuwenden. Kriegs- und Notzeiten galten als Strafe Gottes für einen bösen Lebenswandel. So sollte an den Bußtagen das ganze Volk vor Gott treten, sich öffentlich vom Bösen abkehren und sich ganz bewusst wie­der Gott zuwenden. Als Zeichen der Buße und Hingebung war dieser Tag ein Fastentag. Im 19. Jahrhundert einigten sich die evangelischen Landeskirchen auf einen gemeinsamen Bußtag, eben am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Der öffentliche Charakter der Bußtage ging allmählich verloren und wich einer privaten Bußpraxis. Dieser Tag diente nun mehr der eigenen Gewissensprüfung. Bis 1995 war er gesetzlicher Feiertag (seit 1934) und wurde dann abgeschafft, um die Mehrbelastung durch die Sozialversicherungen bei den ArbeitgeberInnen auszugleichen. (Ausnahme ist Sachsen) In vielen Gemeinden wird trotzdem Gottesdienst gefeiert, die liturgische Farbe ist violett, die Farbe für die Fastensonntage.

 

1816 wurde in Preußen der letzte Sonntag im Kirchenjahr bestimmt für die Erinnerung an die Verstorbenen. Dieses Fest für die Toten wurde auch von anderen Landeskirchen übernommen und wurde allgemein zum Totensonn­tag. Mittlerweile hat sich die Bezeichnung „Ewigkeitssonntag“ durchge­setzt, und theologisch wird der Blick gerichtet auf das ewige Leben. So steht mit der Lesung von Offenbarung 21 die allgemeine Hoffnung auf einen neuen Himmel und auf eine neue Erde im Zentrum. Es ist Tradition, in diesem Got­tesdienst die Namen aller im vergangenen Kirchenjahr in der Gemeinde Ver­storbenen zu verlesen. Dadurch wird sowohl die allgemeine Perspektive auf die Ewigkeit und die individuelle Auferstehungshoffnung für den Verstorbenen miteinander verbunden.

Und was bedeutet Trinität?

1+1+1=1 Die Trinität – Ist Gott nun Einer oder Drei?

Worum geht es bei der Trinität (der Dreifaltigkeit), die ja der Trinitatiszeit den Namen verleiht? Glauben Christen nun an drei Götter oder an einen Gott? Zumindest den strengen Monotheisten (Ein-Gott) aus dem Islam und Judentum sind wir damit durchaus suspekt.

Wir beginnen jeden Gottesdienst mit der trinitarischen Taufformel aus Matthäus 28: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dies ist der eine Gott, den wir bekennen, von dem wir uns im Gottesdienst eingeladen fühlen. Dieser Gott begegnet uns als lebendiges Gegenüber. Die Lehre von der Dreieinigkeit versucht lediglich zu erklären, wie Christen diesen Gott erfahren.

Die Menschen im Israel von Jesus glaubten an den einen Gott, den Schöpfer. Jesus predigte, heilte, begegnete immer wieder den Menschen ganz neu. Seine Jünger merkten irgendwann, dieser Jesus ist mehr als ein Prophet, er zeigt uns Gottes Liebe ganz und gar. In ihm spüren wir Gott. Dieser Jesus muss wesensgleich mit Gott sein, und so bekannten sie ihn als Gottes Sohn. In Jesus also, hat die allmächtige ewige Liebe Gottes Gestalt angenommen. Aber als die Jünger gemerkt hatten, wer dieser Jesus ist, da war ihnen auch klar, es war nicht ihr Vermögen, dies zu erkennen. Ihnen wurden die Augen geöffnet. Es überkam sie, wie eine plötzlich Erkenntnis, die sich einstellt, ohne, das wir später noch rekonstruieren können, wie es zu diesem Geistes-Blitz kam. Jesus als Gottes Liebe in Menschengestalt zu begreifen, ist ein großes, öffnendes Geschenk. Wenn es aber nicht die eigene Erkenntnis ist, die Gott begreifen kann, wie anders können unsere Sinne dann für Gott geöffnet werden? Es ist Gott selbst, der die Sinne öffnet. Dies ist der Geist, Gott selbst, der uns begeistert, uns in seinen Bann schlägt, der die Sinne öffnet. Dieser Geist geht schon immer von dem Vater und dem Sohn aus. Christinnen und Christen glauben an einen Gott, der sich aber in drei Seinsweisen zu erkennen gibt. Als Sohn, der die ewige Liebe Gottes zeigt, als Geist, der unsere Sinne erleuchtet und als Vater, Beginn und Ende der allumfassenden Wirklichkeit.

Ein altes Bild von der Trinität ist das gleichseitige Dreieck mit dem inneren Auge. Wir finden es ganz oben zentral auf unserem Altaraufsatz. Darüber steht Soli Deo Gloria (Gott allein zur Ehre). Im Dreieck bilden die drei Seiten eine Einheit, ohne ineinander zu verschmelzen. Als Dreieck bilden sie einen unauflöslichen Zusammenhang. Das Auge deutet auf die personhafte Wirklichkeit Gottes hin. Es geht eben nicht einfach um Geometrie.

Die Trinitätslehre versucht also nicht, Gott festzulegen. Wohl aber beschreibt sie, wie die ersten Jünger Gott erfahren haben. Als eine dynamische, in Beziehung tretende Kraft, die in ihrem Kern ewige Liebe ist. Es bedeutet: Gott erfahren wir dreimal auf unterschiedliche Weise. Gott zeigt sich den Menschen als Schöpfer durch Jesus Christus vermittelt durch den Geist.