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Das Kirchenjahr (Teil I): Der Osterfestkreis

 

Wissen Sie, warum wir Pfingsten feiern? Warum an Kanzel und Altar mal ein grüner und mal ein lila Behang angebracht ist? Warum singen wir in der Zeit vor Ostern im Gottesdienst nach dem Psalm kein „Ehre sei Gott in der Höhe“?

Frühling, Sommer, Herbst und Winter, vier Jahreszeiten hat unser Kalenderjahr, manchmal scheinen sie durcheinander zu geraten, aber wir spüren und wissen genau, in welcher Jahreszeit wir uns gerade befinden.

Auch unser Kirchenjahr ist in „Jahreszeiten“, in Zyklen eingeteilt. Doch sie sind wesentlich unbekannter, haben manchmal etwas mit Schulferien zu tun, sind aber deswegen trotzdem nicht in aller Munde oder in aller Köpfe. Viele Schätze sind zu entdecken, macht man sich den Verlauf eines Kirchenjahres einmal bewusst. Wenn Sie Lust haben, auf diese Entdeckungsreise zu gehen, lesen Sie einfach weiter. In dieser und den kommenden Ausgaben des Kirchenboten möchte ich diese Reise mit Ihnen antreten.

Ich möchte meinen Ausführungen das Gedicht von Jochen Klepper „Das Kirchenjahr“ voranstellen. Es trägt, in wunderschöner gereimter Sprache, eine tiefe emotionale Ebene in den Jahreslauf ein.

 

Du bist als Stern uns aufgegangen,

von Anfang an als Glanz genaht.

Und wir, von Dunkelheit umfangen,

erblickten plötzlich einen Pfad.

Dem Schein, der aus den Wolken brach,

gingen wir sehnend nach.

 

Am Ende unserer weiten Fahrten

gabst du uns in dem Stalle Rast.

Was Stroh und Krippe offenbarten,

ward voll Erstaunen nur erfasst.

Die Zeichen blieben nicht mehr Bild,

Verheißung war erfüllt.

 

Und über Stall und Stern und Hirten

wuchs Golgatha, dein Berg, empor.

Nah vor den Augen der Verirrten

trat aus der Nacht dein Kreuz hervor.

Dort neigtest du für uns dein Haupt.

Da haben wir geglaubt.

 

Vor deines Felsengrabes Höhlung

ward hart und schwer ein Stein geklemmt.

Am Morgen kamen wir zur Ölung

und fanden nur dein Totenhemd.

Kein Fels hat deinen Weg gewehrt.

Wir folgten, Herr, bekehrt.

 

In deines Herzens offene Wunde

hast selbst du unsere Hand gelegt,

uns bis zu deiner Abschiedsstunde

mit Brot und Wein bei dir gehegt.

Die Wolke, die dich aufwärts nahm,

trug uns aus Angst und Scham.

 

Als eine Taube, lichtumflossen,

hast du dich sanft herabgesenkt,

uns mit dem Feuerglanz begossen

und die Verlassenen beschenkt.

Denn weil der Himmel offen steht,

gabst du uns das Gebet.

 

Unser christliches Jahr – das Kirchenjahr – ist an heilsgeschichtlichen Ereignissen, das heißt an dem Handeln Gottes in der Welt und an den Menschen, orientiert. Es beschreibt die immer wiederkehrende, sich wiederholende Abfolge von christlichen Festen und Festzeiten. Dabei ist es nicht ohne Einflüsse des Naturjahres und hat sich mit den jahreszeitlichen und natürlichen Bedingungen verknüpft.

Wir beginnen unsere Reise durchs Jahr mit dem sogenannten Osterfestkreis. Also mittendrin. Mit dem, was in den kommenden Monaten auf uns zu kommt.

Das Osterfest ist das älteste uns bekannte christliche Jahresfest. Erste Zeugnisse für ein christliches Osterfest stammen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Es ist Ausgangs- und Mittelpunkt des Kirchenjahres, viele Impulse für das ganze Festjahr gehen von ihm aus.

Die frühchristlichen Gemeinden haben nach jüdischer Festtagspraxis das Passafest gefeiert, also das Fest der Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Die Evangelien berichten, dass Jesus zum Passafest nach Jerusalem kam, dort sein letztes Mahl (Passamahl) mit seinen Jüngern feierte, bevor er verraten, gefangen genommen und gekreuzigt wurde. So entwickelte sich das Osterfest vom Passafest aus und lehnte sich sowohl in Bezug auf den Zeitpunkt als auch auf die inhaltliche Bedeutung stark an das Passafest an. Unterdrückung, Leiden und Befreiung der Israeliten wurden Deutehorizont für die Passion und Auferstehung Christi. Christus, das Lamm Gottes, dessen Blut uns schützt und rettet, erinnert an die jüdische Tradition, die Türpfosten mit dem Blut des Passalammes zu bestreichen, um die Bewohner des Hauses zu kennzeichnen und damit zu schützen vor der Strafe Gottes gegen die Ägypter, nämlich alle Erstgeborenen zu töten. Die wörtliche Bedeutung des hebräischen Wortes „Passah“: Vorüberschreiten, lässt sich im christlichen Kontext übertragen auf den österlichen Übergang vom Leiden/Mitleiden am Tod Christi zur Auferstehung, also zum neuen Leben. Mittelpunkt der christlichen Feier wurde ein nächtlicher Gottesdienst, in Anlehnung an das abendliche Passamahl. Der christliche Gottesdienst, der bis zum Morgen dauerte, begann mit einer Nachtwache und endete mit der Feier des Abendmahls. Im Verlauf des Gottesdienstes war ein wichtiger Bestandteil die Lesung der biblischen Texte (2. Mose 12 und 14) über den Auszug der Israeliten aus Ägypten und die Befreiung durch Gott.

Auch zeitlich ist unser Osterfest an dem jüdischen Passafest orientiert. So fällt jenes nach jüdischem Brauch immer auf den 15. Tag des Frühlingsmonats, des Nisan. Das christliche Osterfest ist kalendarisch seit 325 n. Chr. festgelegt auf den ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn und darum ein „bewegliches“ Datum.

Seit dem 4. Jahrhundert begann man, die Geschichte Jesu in der österlichen Feier nachzuvollziehen. Karfreitag bis Ostersonntag, drei Tage von der Kreuzigung und dem Tod bis zur Auferstehung, waren es zuerst. Bald wurde eine Woche daraus, in der, nach dem Vorbild der Jerusalemer Gemeinde, der Weg Jesu vom Einzug nach Jerusalem (Psalmsonntag) über die Feier des letzten Mahls Jesu mit seinen Jüngern (Gründonnerstag), Karfreitag (dem Tag der Kreuzigung) und Karsamstag (dem Tag der Grabesruhe), bis zum Ostersonntag (der Feier der Auferstehung) nachgezeichnet wurde.

Die Fastenzeit, als Zeit der Vorbereitung auf die Taufe und das Fest der Auferstehung, entwickelte sich ebenfalls im 4. Jahrhundert in Anlehnung an das einwöchige Passa-Fasten im Judentum. Sie beginnt am Aschermittwoch und dauert 40 Tage – wir nennen sie Passionszeit. Bekannt in der breiteren Öffentlichkeit auch als die Zeit der „Sieben Wochen ohne“.

Die Sonntage in dieser Passionszeit stehen unter dem Vorzeichen der Erinnerung an das Leiden Christi, was sich auch in der Ausgestaltung unserer Sonntagsgottesdienste zeigt: In der Liturgie, also dem Ablauf des Gottesdienstes, verzichten wir auf das „Gloria patri“ (Ehr' sei dem Vater und dem Sohn ...) nach dem Psalmgebet in der Eingangsliturgie und auch das „Halleluja“ nach der Lesung entfällt, was den Gedanken der Buße zur Vorbereitung auf die Taufe an Ostern aufnimmt. In der Passionszeit sind alle Paramente, die Behänge von Altar, Kanzel und Lesepult in der Farbe Lila gehalten.

In dem Gottesdienst am Gründonnerstag geht es zentral um das Erinnern an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. So finden die Gottesdienste am Abend statt und werden oft als großes Agape-Mahl, d.h. als Gemeinschaftsmahl, gefeiert. In unserer Gemeinde gibt es die Tradition, diesen Gottesdienst mit der dänischen Gemeinde und Pastorin Ea Dal gemeinsam zu feiern, wobei wir uns abwechselnd zu einem gemeinsamen Abendessen nach dem Gottesdienst in die jeweiligen Gemeinderäume einladen (siehe die Einladung in dieser Ausgabe!).

Der Karfreitag, nicht etwa Weihnachten oder Ostern, gilt für viele evangelische Christen als der höchste Feiertag im Kirchenjahr. Ob in diesem Gottesdienst Abendmahl gefeiert wird, ist oftmals umstritten. Der Hauptgottesdienst am Vormittag steht ganz unter dem Eindruck des Todes Jesu am Kreuz. In vielen Gemeinden werden Altäre abgeräumt oder abgehängt, während des Gottesdienstes Kerzen ausgeblasen und die Passionstexte der Evangelien gelesen.

In der Osternacht wird traditionell in den Sonnenaufgang hinein Gottesdienst gefeiert. Je nach Stand der Sonne beginnt der Gottesdienst also sehr früh am Morgen. Christus, das Licht, das in die Dunkelheit hinein leuchtet, ist auferstanden, und das zeichnet sich in der Zeremonie – die von Gemeinde zu Gemeinde anders ausgeprägt ist – ab. Die Osterkerze wird in die dunkle Kirche getragen und an die Feiernden verteilt. In unserer Gemeinde werden in der Regel die Konfirmanden in diesem Gottesdienst getauft. Das Aufgehen der Sonne und der Einzug des Lichtes machen für alle in der Kirche den Weg Gottes aus der Dunkelheit in das Licht der Auferstehung erlebbar.

Am Ostermorgen gibt es einen weiteren feierlichen Gottesdienst, meist als Familiengottesdienst geplant, in dem die Auferstehung Jesu im Zentrum steht. In der altkirchlichen Tradition schloss sich an das Osterfest die so genannte weiße Woche an, eine Woche, in der die an Ostern Getauften täglich das Abendmahl feierten und ihre weißen Taufgewänder trugen.

Später wurde aus diesen 7 Tagen eine österliche Freudenzeit von sieben Wochen – bis zum Pfingstfest – dem Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Name Pfingsten leitet sich ab von dem griechischen Wort „Pentakosta“ für „50“. Es liegt parallel zu dem jüdischen Erntefest „Schawuot“, an dem auch an die Übergabe der 10 Gebote an das Volk Israel erinnert wird. Pfingsten wurde seit dem 4. Jahrhundert zu einem eigenen Fest ausgestaltet, in Anlehnung an das Osterfest wurde eine ganze Woche gefeiert, von der uns immerhin zwei Tage geblieben sind.

Zwischen dem Osterfest und Pfingsten bekam das Fest der Himmelfahrt Christi nach 40 Tagen seinen Ort. In der frühen Christenheit gab es noch kein eigenes Himmelfahrtsfest, das die Erhöhung Christi zum Inhalt hatte. Doch dem Lukas-Evangelium gemäß entwickelte sich im 4. Jahrhundert ein eigenes Fest am 40. Tag nach Ostern. Die Zahl 40 spielt dabei eine große Rolle – sie erinnert an die 40 Fastentage vor Ostern und bildet somit eine Entsprechung.

All das liegt vor uns in diesem „Quartal“, eine Festzeit durch vieles Tiefes, aber auch durch Hohes. Wir alle sind eingeladen, diesen Zyklus mit zu vollziehen, mitzufeiern, in Gottesdiensten und persönlicher Aneignung. Eine besondere Erfahrung ist es, die Karwoche bis zum Ostermontag als ganze wahrzunehmen. Eine Aufstellung der Gottesdienste finden Sie – wie gewohnt – auf der Rückseite des Boten.

Vorschau: In der nächsten Ausgabe geht es um die Trinitatiszeit!

Silvester“ des Kirchenjahres. Das ist nicht der 31. Dezember. Das Kirchenjahr beginnt traditionell mit dem ersten Adventssonntag, der auch den sogenannten „Weihnachtsfestkreis“ eröffnet.

Die Tradition der Adventszeit entstand im 5. Jahrhundert und wurde als 40tägige Fastenzeit (bis zum Epiphaniasfest am 6. Januar) begangen.

In den Gottesdiensten geht es an den vier Adventssonntagen um die Vorgeschichte der Geburt Jesu, also um Johannes, den Täufer, (den Namenspatron unserer Adelbyer Kirche), die Ankündigung der Geburt durch den Engel bei Maria. Außerdem wird auch der Blick auf die Ankündigung der Endzeit gerichtet.