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Der Gottesdienst in der Gemeinde (Teil 3):

Wie feiern wir Gottesdienst? – Beobachtungen aus der Kirchenbank

Es ist Sonntag. Heute gehe ich mal wieder in den Gottesdienst. Das letzte Mal ist lange her, zwischendurch war ich – im Urlaub – auch mal in einer anderen Gemeinde. Da war einiges gleich, einiges aber auch ganz anders. Heute also in Adelby. Die Glocken habe ich schon gehört.“

Die Glocken: Sie sind Signal für alle: Jetzt ist Gottesdienst, und die Glocken sind ein Weckruf, die Aufforderung, sich auf den Weg zu machen. Das hat historische Wurzeln. Damals, als die Menschen keine eigenen Uhren hatten, gab das Geläut eine Orientierung loszugehen, je nach Entfernung des Wohnortes von der Kirche.

Ich betrete die Kirche und suche mir einen Platz. Wo kann ich die Kanzel gut sehen, wo blendet mich das Morgenlicht nicht. Ich setze mich, vor mir liegt ein Gesangbuch und ein Heft zum Ablauf, ein „Fahrplan“. Damit ich weiß, was wann passiert. Das beruhigt mich. Die Orgel setzt ein, der Pastor kommt und nimmt vorne Platz.“

Musik im Gottesdienst: Die Orgel war ursprünglich ein Prozessionsinstrument, begleitete den Einzug von Herrschern. Heute unterstreicht die Orgel das Thema des Sonntags. Einzugs- und Auszugsmelodie haben Einfluss auf die Stimmung der Besucher. Der Kantor oder die Organistin der Gemeinde sucht meist gemeinsam mit dem Pastor/der Pastorin passende Lieder aus. Insgesamt kann die Musik uns im Gottesdienst in Bewegung bringen, Gefühle wecken oder zum Ausdruck bringen.

Teil 1: Eröffnung und Anrufung

Nun geht es los. „Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das sind die ersten Worte, die der Pastor an uns richtet. Dann erst begrüßt er uns persönlich. Der 3. Sonntag nach Trinitatis ist heute. Ich erfahre, worum es gehen wird.“

Votum und Begrüßung: Der Gastgeber der gottesdienstlichen Feier ist nicht der Pastor, nicht die Gemeinde, sondern Gott. Das Votum unterstreicht das. Gott ist da, und Gottes wegen sind wir hier. Außerdem erinnert es die Gemeinde in den ersten Minuten des Gottesdienstes an die eigene Taufe. Die meist freie Begrüßung, die sich anschließt eröffnet dann den thematischen Horizont des Sonntags. Die Begrüßung soll einstimmen, Lust machen, aber nicht schon die Pointe verraten.

Nach dem ersten Lied fordert uns der Pastor auf, mit ihm im Wechsel einen Psalm zu sprechen. Darum sind Zeilen im Text voneinander unterschieden. Nach dem Psalm folgt der Gesang, „Kyrie Eleison ...“ was ich ziemlich kompliziert finde. Pastor und Gemeinde wechseln sich ab. Jedesmal frage ich mich: Warum machen wir das?“

Kyrie und Gloria: „Kyrios“ ist Griechisch und heißt „Herr“. Gott, der Herr, wird angerufen. Mit leeren Händen stehen wir vor ihm und bitten um sein Erbarmen. „Allein Gott in der Höh' sei Ehr“ - mit diesem gesungenen Gloria/Jubel stimmt die Gemeinde in den Gesang der himmlischen Chöre ein. Kyrie und Gloria verbinden am Beginn des Gottesdienstes sowohl Not und Angst als auch Freude und Zuversicht im Glauben. Darauf folgt das sogenannte „Tagesgebet“, in dem der Pastor formuliert, mit welchen Anliegen, Hoffnungen und Nöten wir vor Gott treten in diesem Gottesdienst. Es schließt den Eröffnungsteil des Gottesdienstes ab und dient dazu, dass die Menschen ankommen, bei sich, in der Kirche und natürlich in ihrem Gespräch mit Gott. So bildet es den Übergang zu dem nächsten Teil im Gottesdienst, der geprägt ist durch das Hören des Wortes Gottes, der biblischen Texte, ihrer Auslegung (Predigt) und dem Bekenntnis des Glaubens.

Teil 2: Verkündigung

Jetzt erhebt sich jemand anderes, nicht der Pastor. Auf dem Stehpult liegt ein Buch, aus dem wird vorgelesen. Dazu sollen wir aufstehen. Zwei Texte aus der Bibel höre ich, dazwischen gibt es Gesang, den offenbar alle auswendig können. Ich nicht ... Aber nach der zweiten Lesung folgt das Glaubensbekenntnis. Das kann ich ... Danach setzen wir uns wieder. Es folgt ein Lied.“

Lesungen: Für unseren Gottesdienst in Adelby sind 2 Lesungen vorgesehen (außer wenn es Taufen gibt oder Abendmahl gefeiert wird). Die Texte sind vorgegeben. Für jeden Sonntag gibt es einen Text aus den Briefen (Epistel) oder aus dem Alten Testament und aus einem der vier Evangelien. Manchmal ist darunter der Predigttext. Das Wort Gottes wird hörbar, der alte Text wird beim Vorlesen zu neuem Leben erweckt und wird gegenwärtig. Wenn man genau hinhört, kann man einen inhaltlichen Zusammenhang der einzelnen Texte feststellen. Denn die Zusammenstellung ist nicht willkürlich, sondern hat das Ziel, dem Sonntag ein inhaltliches Proprium, ein Motto, zu verleihen. Das Evangelium wird gerahmt durch den Gesang der Gemeinde. Jesus, der durch das Evangelium zur Gemeinde „kommt“ wird begrüßt: „Ehre sei dir Herre!“ und gepriesen „Lob, sei dir oh Christe!“

Mit dem sich anschließenden Glaubensbekenntnis antwortet die Gemeinde auf das Evangelium und vergewissert sich der Inhalte ihres Glaubens. Durch diesen Text verbinden sich die Christinnen und Christen der ganzen Welt miteinander.

Während die Gemeinde erneut singt, besteigt der Pastor die Kanzel. Jetzt kommt die Predigt. Hoffentlich wird es heute spannend, denke ich. Jedes Mal wieder frage ich mich, was das eigentlich ist – eine Predigt. Ein Vortrag, eine Rede, nette Worte von jemandem, der es besser weiß als wir in den Reihen?“

Die Predigt: Von vielen wird die Predigt als Höhepunkt des Gottesdienstes empfunden. Der Predigttext ist vorgegeben. Es gibt sechs Predigtreihen (eine Reihe für ein Jahr), so dass sich alle sieben Jahre die Texte wiederholen. Die biblischen Texte sind keine toten Buchstaben, sondern in ihnen verbirgt sich Gottes Wort an die Menschen. Die Predigt stellt keinen Monolog eines Redners dar, sondern ist Dialog, ein Wortwechsel Gottes mit der Gemeinde in der Vermittlung der Pastorinnen und Pastoren, den von der Kirche ordentlich berufenen und ausgebildeten Amtsträgern. Gott steht also mit dem Pastor auf der Kanzel. Das Wort Gottes geschieht durch die Auseinandersetzung mit dem Bibeltext und seiner Aktualisierung. Der Prediger muss darauf vertrauen, dass Gottes Geist sich einmischt, sich Raum nimmt und da ist. Insofern ist die Predigt keine Selbstdarstellung, kein politisches oder theologisches Manifest, und trotzdem sollte die predigende Person erkennbar sein. Es ist eine „Gemeinschaftsproduktion“ in dem Dreieck von Gemeinde, PastorIn und Gott.

Die Gedanken, die ich aus der Predigt mitgenommen habe, kann ich nun im anschließenden Lied noch etwas schweifen lassen. Danach kommt der „Info-Block“, in dem ich erfahre, wann wieder Gottesdienst ist, wofür die Kollekte gedacht ist, die dann beim nächsten Lied eingesammelt wird.

So langsam senkt sich mein Spannungsbogen. Es folgt noch ein Gebet.“

Teil 3: Sendung und Segnung

Fürbitte: Der letzte Teil des Gottesdienstes wird von den Fürbitten eröffnet. Sie stehen auf der Schwelle zum Draußen, zum „Wieder-in-die Welt-Gehen“. Sie stellen den Weltbezug her und nimmt die Mitmenschen, unsere Nächsten in den Blick. In dem Gebet öffnen wir unseren Blick darauf, dass das Wort zur Tat wird, dass der Dienst Gottes an uns zu unserem Dienst an der Welt werden kann und soll. An das Fürbittengebet schließt sich das Vaterunser an, vertraute Worte, die die Fürbitten unterstreichen und bekräftigen.

Sendung und Segen: Zum Abschluss des Gottesdienstes stellt sich die Gemeinde unter den Segen Gottes. Das wird eingeleitet durch eine vom Pastor/von der Pastorin gesungene Sendung. „Gehet hin im Frieden des Herrn“. Ein freundlicher Rauswurf, eine Ermutigung, den Gottesdienst im Alltag, in der Welt in der kommenden Woche fortzusetzen. Unterstützung erhält die Gemeinde durch Gottes Segen, den sie vom Pastor zugesprochen bekommt.

Ein Orgelnachspiel rundet den Gottesdienst musikalisch ab.

Pastorin Anja Stadtland